Johanniskraut echtes (Hypericum perforatum)

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum),

 

auch Echt-Johanniskraut, Gewöhnliches Johanniskraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum). Es findet Anwendung als Heilpflanze.

 

Volkstümlich wird das Echte Johanniskraut auch als Herrgottsblut bezeichnet. Der Name bezieht sich auf Johannes den Täufer, da die Pflanze um den Johannistag (24. Juni) herum blüht.

 

Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 100 Zentimetern erreicht. Sie bildet stark verzweigte Wurzelkriechsprosse und eine spindelförmige, bis zu 50 Zentimeter tief reichende Wurzel. Der aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen markig ausgefüllt (nicht hohl). Dadurch unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten. Im oberen Bereich des Stängels ist das Echte Johanniskraut buschig verzweigt.

 

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind mehr oder weniger sitzend. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 3 Zentimetern oval-eiförmig bis länglich-linealisch. Die Blattspreite ist dicht mit durchscheinenden Öldrüsen besetzt. Der Blattrand ist mit schwarzen Drüsen punktiert. Bei den zahlreichen durchscheinenden Punktierungen der Spreite handelt es sich um Gewebslücken, die durch Spaltung oder Auseinanderweichen von Zellwänden entstanden sind und in denen das helle ätherische Öl konzentriert ist.

 

Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

 

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind bis zu 5 Millimeter lang, länger als der Fruchtknoten, (ei)-lanzettlich, fein grannenartig zugespitzt, mit hellen und schwarzen Drüsen. Die fünf goldgelben Kronblätter sind bis 13 Millimeter lang, nur auf einer Seite gezähnt und am Rande schwarz punktiert. Die Kronblätter enthalten in Gewebslücken das blutrote Hypericin, das beim Zerreiben (am besten mehrere Blütenknospen nehmen) auf den Fingern eine Rotfärbung hinterlässt. Die einzelnen Kronblätter sind aufgrund ihrer gedrehten Knospenlage etwas asymmetrisch, sodass die ganze Blüte in offenem Zustand einem „Windrad“ ähnlich sieht. Die 50 bis 60, manchmal bis 100 Staubblätter umgeben in drei Büscheln angeordnet den Fruchtknoten. Der oberständige, ovale Fruchtknoten ist in drei Fächer unterteilt, die kürzer sind als die Kelchblätter. Statt Nektar ist ein anbohrbares Gewebe von unsicherer ökologischer Bedeutung vorhanden. Die Frucht ist eine schmal-eiförmige, bis 10 Millimeter lange, geriefte dreifächrige Spaltkapsel. Die Samen sind bei einer Länge von etwa 1 Millimetern länglich, gebogen und fein netzförmig.

 

Die Pflanzenteile sind leicht giftig. Die getrockneten Blüten des Behaarten Johanniskrauts enthalten bis zu 1,4 % des roten Farbstoffes Hypericin („Johannisblut“). Die Hypericin-Aufnahme führt bei nicht pigmentierten (weißen) Weidetieren (Pferde, Schafe, Ziegen etc.) nach der Bestrahlung durch Sonnenlicht zu Hämolyseerscheinungen ("Hartheukrankheit").

 

Das Echte Johanniskraut ist die in Europa am weitesten verbreitete Art der Gattung Hypericum und in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. In Ostasien, Nord- und Südamerika und in Australien ist es eingebürgert worden. Man findet es in tiefen bis mittleren Höhenlagen. Es wächst verbreitet in Gebüschsäumen, an Waldrändern, Wegen und Böschungen, in Magerwiesen und -rasen, in Ginster- und Heidekrautheiden, in Brachen und Waldverlichtungen oder auf Bahnschotter als Pionierpflanze. Das Echte Johanniskraut tritt vorwiegend in größeren Gruppen auf, allerdings sind diese selten bestandsbildend. Als ökologische Zeigerwerte nach Ellenberg wird Hypericum perforatum als Halbschattenpflanze für mäßigwarme bis warme Standorte bei gemäßigtem Seeklima angegeben. Die angezeigte Bodenbeschaffenheit ist gleichmäßig trocken bis mäßig feucht und stickstoffarm, niemals jedoch stark sauer.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Johanniskraut

 

Bild 1 Von Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm weitere Bilder auf www.biolib.de
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Bild 2 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossgesamtquerschnitt
Bild 2 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossgesamtquerschnitt
Bild 3 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Tracheen und Epidermis
Bild 3 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Tracheen und Epidermis
Bild 4 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Darstellung Ölkanal
Bild 4 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Darstellung Ölkanal
Bild 5 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Darstellung Leitbündel
Bild 5 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Sprossquerschnitt Teilbereich, Darstellung Leitbündel
Bild 6 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattquerschnitt
Bild 6 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattquerschnitt
Bild 7 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattquerschnitt Teilbereich, Blattrippe
Bild 7 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blattquerschnitt Teilbereich, Blattrippe
Bild 8 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blatt von unten Teilbereich, Stomata
Bild 8 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blatt von unten Teilbereich, Stomata
Bild 9 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blatt von unten Teilbereich, Ölaustritt
Bild 9 Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum) Blatt von unten Teilbereich, Ölaustritt