Heute besichtigen wir die Niagara Fälle auf der kanadischen Seite

5. Tag  24.9.2019

Wir haben so einigermaßen geschlafen. Wir sind es nicht gewöhnt so dicht zusammen zu schlafen. Mehrmaliges Anrempeln während der Nacht bleibt nicht aus. Außerdem muss Margit mich immer wieder „auf meine Seite“ zurückschieben. Der Weg zur Toilette nachts ist auch eine kleine Herausforderung. Das Bett selbst ist recht hoch und steht noch auf einem Podest. Und natürlich ist alles sehr eng. So viel denken im Halbschlaf ist anstrengend. Morgens erhebe ich mich als erster. Heizung und der Warmwasserboiler müssen eingeschaltet werden, vorher verlässt Margit das warme Bett nicht. Das Wasser wird recht schnell warm und die Heizung funktioniert auch gut. Sehr schnell ist die Kälte aus dem Womo vertrieben und Margit traut sich auch aus dem warmen Bett heraus. Die Dusche in unserem Henry funktioniert, ist zwar auch richtig eng, aber der Wasserstrahl ist zufriedenstellend. Margit ist am Zuge. Da wir noch keinen Fön haben lässt sie heute mal das Haare waschen aus.

 

Ich gehe nochmal zur Rezeption, denn wir haben beschlossen noch eine weitere Nacht hierzubleiben, damit wir uns in Ruhe die Niagara Fälle und den Ort Niagara ansehen können. Zwei ältere Damen bedienen mich heute, und die eine der beiden muss der anderen immer jeden Schritt einzeln erklären. Das ist etwas nervig, aber die beiden alten Mädchen haben ihren Spaß dabei und ich habe es ja auch nicht eilig.

 

Zurück im Womo bereite ich das Frühstück vor. Der Gasherd funktioniert gut, das Teewasser kocht ruck-zuck. Die Geschirr-Ausstattung ist ausgesprochen asketisch, da müssen wir wohl noch mal einkaufen, denn Wein aus Plastikbechern ist nicht so unser Ding. Unser Toaster für 8$ tut was er soll. Ich röste zusätzlich noch die Reste unseres Baguettes von gestern Abend an, schneide die etwas geschmacklosen Wassertomaten auf und dann frühstücken wir. Wie immer ist es schwierig die harte Butter aus dem Kühlschrank auf das weiche Brot zu kriegen, aber da haben wir ja schon so unsere Strategien. Danach ist Margit dran mit spülen, Betten machen und Womo auskehren und wischen. Na ja, Waschbecken und WC natürlich auch. Aber das alles geht schnell.

Direkt gegenüber des Campgrounds ist die Wego-Busstation. Um 11:02 geht der Bus nach Niagara zu den Fällen. Zwei Tagestickets für zusammen 25$ habe ich schon in der Rezeption gekauft. Bus kommt, los geht`s. Wir fahren fast 20min bis zu den Fällen, da der Bus an jeder 2ten Ecke anhält. Bei wunderschönem Sonnenschein und einem lauen Wind steigen wir am Casino aus und bummeln den kleinen Hügel hinunter. Wir schauen jetzt direkt auf die Wasserfälle. Wow, das ist wirklich umwerfend! Vor ca. 30 Jahren war ich zwar schon mal hier, und trotzdem ist es wieder toll anzusehen. Es sind natürlich viele Menschen unterwegs, aber es ist keineswegs zu voll.

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Bild 1 Bus Tagesticket zu den Niagara Falls

Wir bummeln am Canyonrand entlang zum Horse Shoe Fall, dem kanadischen Teil der beiden Wasserfälle. Auf der anderen Seite haben wir einen schönen Blick auf die amerikanischen Fälle, und die Rainbow-Bridge die hier die USA mit Kanada verbindet. Wir spüren jetzt schon die Gicht im Gesicht, eine Schönheitskur für die Haut. Wir legen immer wieder einen Stopp ein, um Fotos zu schießen. Aber man kann es weder richtig beschreiben noch auf Fotos bannen. Das Rauschen der Niagarafälle, die Gischt in der Luft, einfach ein fantastisches Naturwunder. Die Gewalt der Natur ist hier mit allen Sinnen zu spüren.

Im Info Zentrum kaufen wir uns Tickets für den Weg hinter den Wasserfall. Dazu fahren wir mit einem Aufzug erstmal 20m nach unten. Hier führt ein Tunnel im Fels direkt hinter die herabstürzenden Wassermassen. Durch kleine Stichtunnel kommt man direkt hinter den schäumenden Wasservorhang. Viel sehen kann man nicht, eine weiße Wand aus Wasser steht lässt nur die durch nichts zu stoppende Gewalt spüren. Der Geräuschpegel ist enorm, und es ist überall klatschnass. Daher mussten wir auch vorher einen gelben Plastikregenmantel überziehen. Wir gehen dann auf eine kleine Plattform nach draußen und hier ist die Gicht wirklich überwältigend. Fotos zu machen ist eigentlich unmöglich, denn alles was draußen ist, ist sofort mit einem Wasserfilm überzogen. Hoffentlich hält das die Kamera aus. Bald machen wir Platz für nachfolgende Menschen, denn man wird ständig von der Gischt regelrecht überschüttet und das gewaltige Rauschen macht jede Verständigung unmöglich. Mit dem Aufzug wieder in die Oberwelt und raus aus der triefenden Regenhaut. Es wäre wirklich interessant zu sehen, wie die kompletten Wassermassen des Flusses über die Fälle strömen würden. Vorher werden nämlich 75% des Wassers in große Rohre geleitet, die zu Turbinen führen für die Stromgewinnung.

Natürlich bummeln wir noch durch den Giftshop und gehen anschließend wieder immer am Canyonrand in Richtung Rainbow Bridge. Rechts der Blick in den Canyon, links der Blick auf den Skylon Tower. In der Zwischenzeit haben wir auch Hunger und finden ein Restaurant, das "the secret garden restaurant", von dem aus man sehr schön auf die Fälle sehen kann, und das nicht überteuert ist. Direkt an den Fällen hätten wir für ein größeres Stück Pizza 39can$ löhnen müssen. Es hat alles seine Grenzen, und das wäre nur interessant gewesen, wenn der Belag aus echtem Goldstaub bestanden hätte. Wir lassen uns den Fisch schmecken, und wundern uns, dass hier nirgendwo irgendwelche Süßwasserfische angeboten werden. Zwei riesengroße Seen, der Erie und der Ontariosee, die durch den Fluss Niagara verbunden sind. Da sollte es doch genügend Fische geben.

Wir bummeln weiter in den Ort hinein an einem Hard-Rock Cafè vorbei, und landen im Vergnügungsviertel des Ortes. Hier sind alle möglichen Gruselkabinette, Wahrsager, „verrückte“ Museen, Riesenrad usw. zu finden. Es macht Spaß hier entlang zu bummeln und uns über das durchgeknallte Angebot zu amüsieren. In einem Starbucks lassen wir uns einen Espresso schmecken und laufen weiter zu dem kleinen Museum von Niagara.

Hier wird die Entwicklung des Ortes, der Fälle und auch der Umgang mit den hier früher lebenden Indianern gezeigt. Ein schönes kleines Museum, das von einem kleinen Verein sorgfältig aufgebaut und liebevoll gepflegt wird. Es werden hier auch Begegnungen abgehalten mit den wenigen noch lebenden Indianern. Kurz vor 17:00 haben wir uns alles angesehen und das Museum schließt jetzt auch gleich.

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Bild 31 Niagara Museum

Mit dem Bus fahren wir zurück zum Campground, ich genieße meine Pfeife draußen vor unserem Henry, und bereite dann Spaghetti mit Tomatensauce zu. Zusammen mit einem guten Rotwein lassen wir uns alles schmecken. Anschließend lesen wir noch etwas und sind auch schon wieder bettreif.

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Bild 32 Plan Niagara Region
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Bild 33 Unser Weg von heute, mit Bus und zu Fuss