Wir haben sehr gut geschlafen hier in unserem gemütlichen Häuschen mit zwei Schlafzimmern. Ameisen sind heute da, sie kommen aus der Zimmerdecke und haben sich ihren Ameisenweg bis zum Waschbecken und darunter zum Abfalleimer aufgebaut. Da müssen wir sie leider stören. Margit wird zum Massenmörder durch wegwischen und sprühen mit einem Ameisenmittel. Das Frühstück lassen wir uns davon nicht verderben solange sie nicht an unsere Lebensmittel kommen.
Heute wollen wir in den etwas größeren Ort Coromandel fahren, uns den mal ansehen und mit der Buscheisenbahn "Driving Creek" fahren, die uns Alistair empfohlen hat. Es sind 28 km über eine ziemlich kurvige Strecke. Unterwegs an einem Aussichtspunkt treffen wir einen jungen deutschen, der allein mit einem Wohnmobil bis Weihnachten unterwegs sein will. Wir schwätzen ein bisschen und dann geht es weiter. Schnell sind wir dann in Coromandel und laufen an der Hauptstraße entlang, besuchen eine kleine Galerie, in der wir mit der Besitzerin eine Zeitlang schwätzen. Viel ist hier im Ort nicht zu sehen, etwas enttäuschend. Auf der Straße fragen wir einen Mann, wo denn hier die berühmte Buscheisenbahn fährt. Sofort entwickelt sich mit ihm wieder ein längeres Gespräch, eigentlich ist das fast immer so, Man fragt etwas und schon entwickelt sich eine Unterhaltung. Ein sehr sympathisches Land mit freundlichen, aufgeschlossenen Menschen. Die Eisenbahn ist ca. 5 km außerhalb des Ortes, da nehmen wir lieber das Auto.
In dem kleinen Laden dort bekommen wir unsere Tickets, und wir haben Glück, die Eisenbahn fährt in ca. 10 min los. Wir sollen uns hier ein bisschen umsehen. In einer Töpferwerkstatt findet gerade ein Workshop statt, und ca. 10 Erwachsene sind hier fleißig am Formen und Drehen. Hier gibt es ein umfangreiches Tonvorkommen. Die Töpferei geht hier auf den Gründer, Eigentümer und Entwickler der Eisenbahn zurück. Barry Brickel, ein Self Made Man, war ein Cousin von Alistair, unserem Vermieter. Leider ist Barry schon verstorben. Die Eisenbahn ist vorwiegend durch Eigenbau und mit Unterstützung von lokalen Kräften entstanden innerhalb von 19 Jahren. Heute trägt sie sehr viel bei für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Gegend. "Driving Creek isn’t just tracks through the bush or pots in a kiln—it’s a living testament to what one pair of hands, a lot of determination, and a love for land and art can build."
Bald geht es los in dem schmalen Bähnchen, in dem gerade mal 2 Personen nebeneinandersitzen können. Die Fahrerin erzählt uns während der kurzen Fahrt viel über die Entstehung der Bahn und deren Entwickler Barry Brickel. Es geht ein Stück aufwärts, doch dann hält die Bahn, eine Weiche, die wir überfahren haben wird umgestellt, die Lokführerin geht zum anderen Ende des Zuges, alle Passagiere stehen auf und setzen sich in die entgegengesetzte Richtung durch eine genial konstruierte Sitzbank. Jetzt geht es weiter aufwärts in der anderen Richtung. Dabei fahren wir durch Tunnel und einen wunderbaren Wald. Der Wald wurde auch durch Barry Brickel wieder neu aufgeforstet, denn vorher war hier nur Weidefläche. Es hat sich ein wunderschöner wilder Wald entwickelt, der von vielen Tieren, auch Kiwis, besiedelt wird. Wirklich beeindruckend was hier geleistet wurde. An einer Aussichtsplattform hält der Zug an und wir können uns ein bisschen die Füße vertreten. Dabei lernen wir ein jüngeres deutsches Ehepaar mit Kindern kennen, die schon seit 15 Jahren in NZ leben. Sie haben ein kleines Immobilienunternehmen gehabt auf der Südinsel, das sie verkauft haben, und sich jetzt auf der Nordinsel eine neue Existenz aufbauen wollen. Die Frau ist Heilerin und Autorin, und sie sind hier in der Gegend auf der Suche nach einem geeigneten Haus und Grundstück. Wir schwätzen lange mit ihnen und es ist sehr interessant zu hören, wie sie hier zurechtgekommen sind.
Nach ca. 1 Stunde ist die Fahrt beendet. Wieder in dem kleinen Ort suchen wir ein Café. Allerdings gibt es hier nichts, was uns zusagt. Wir kaufen daher etwas Gebäck und fahren zurück in unser Hüttchen und trinken hier Kaffee.
Den Rest des Tages verbringen wir in unserem Häuschen, Margit packt mal wieder, denn morgen geht es weiter, und ich schreibe an meinen Berichten uns sortiere Bilder. Heute Abend essen wir hier, denn Lukes Kitchen ist heute geschlossen.
